Deutschlands „Batteriepapst“ Winter warnt vor fehlender Zellfertigung

Deutschlands „Batteriepapst“ Martin Winter sieht ohne eine eigene Zellfertigung in Deutschland „fatale Auswirkungen auf die hiesige Autobranche“. Im Interview mit der Branchen- und Wirtschaftszeitung Automobilwoche sagte er: „Die Zelle ist das Herzstück der Elektromobilität, sie ist in einer Batterie die kostspieligste Komponente. An ihr hängt also auch die größte Wertschöpfung.“

Zugleich warnte er: „Es gibt viele Beispiele, die zeigen, dass ohne die Beherrschung der Schlüsseltechnologie eine ganze Industrie wegbricht. So hat man in Europa zuerst das Rennen um Monitore und Displays verloren und dann um Tablets und mobile Computer.“ Ein solches Szenario könnte im Falle der Batteriezelle auch der europäischen Autobranche drohen, betonte der Leiter des Batterieforschungszentrums MEET der Universität Münster.

Winter plädiert mit Blick auf hoch subventionierte Hersteller aus Japan, Korea und China für eine halbstaatliche Lösung: „Wir haben im Bereich der Luftfahrt mit Airbus und EADS gute Erfahrungen gemacht, um gegen einen ehemals überstarken Wettbewerber wie Boeing bestehen zu können. Ich könnte mir im Bereich der Zellfertigung eine ähnliche Konstruktion vorstellen.“

2017 wird in Deutschland aller Voraussicht nach die Entscheidung über eine eigene Zellfertigung fallen. Nach Einschätzung der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) sollte in Deutschland eine Zellfabrik mit einer Kapazität von 13 Gigawattstunden pro Jahr bis 2025 aufgebaut werden. Damit könnten bis zu 1.300 Arbeitsplätze in dem Werk selbst sowie bis zu 3.000 neue Stellen im Umfeld entstehen. Die NPE veranschlagt dafür Investition von etwa 1,3 Milliarden Euro.

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