DuPont fordert Entscheidung im Kältemittel-Streit

 Frankfurt/Main – Im Streit um die erhöhte Brandgefahr durch das neue Kältemittel R-1234yf in Autoklimaanlagen fordert DuPont als Hersteller der Chemikalie ein Ende der fast zehn Monate andauernden Hängepartie. „Wir hätten gerne eine finale Entscheidung. Die deutschen Autohersteller sollen endlich sagen, auf welches Kältemittel sie definitiv in Zukunft setzen und wann genau. Und die EU muss erklären, wie sie für die Einhaltung der geltenden Klima-Direktive sorgen will“, sagte Thierry Vanlancker, der beim US-Chemiehersteller für das Geschäft mit Chemikalien und Fluorprodukten verantwortlich ist, im Gespräch mit der Branchen- und Wirtschaftszeitung Automobilwoche. Er kritisiert vor allem die Inflation von Sicherheitstests: „Wir befürchten, dass es bei jedem Test Leute gibt, die das Ergebnis akzeptieren, und andere, die das nicht tun. Das Thema ist vor allem in Deutschland hoch emotional und orientiert sich nicht mehr an Fakten.“

Die Diskussion um das klimafreundliche Kältemittel R-1234yf wurde durch ein von Daimler entwickeltes Testverfahren ausgelöst, bei dem das Fahrzeug in Brand geriet. Die Stuttgarter weigern sich deshalb, R-1234yf einzusetzen, und verwenden in der neuen A- und B-Klasse das alte Kältemittel R-134a, das in der EU aber faktisch verboten ist.

Inzwischen haben praktisch alle Hersteller und wichtige Branchengremien weltweit eigene Tests gefahren. Bis heute hat nur Daimler ein erhöhtes Brandrisiko entdeckt. Mittelfristig setzt der Konzern deshalb auf Klimaanlagen mit CO2, um die EU-Vorgaben zu erfüllen. Auch Volkswagen hat sich für CO2 als künftiges Kältemittel ausgesprochen. Ein Zeitplan wurde aber nicht vorgelegt.

„Auch wir haben untersucht, wie man selbst bei extremen und wenig realistischen Versuchskonditionen das Brandrisiko weiter senken könnte“, so Vanlancker. Festgestellt hat DuPont, dass zum Beispiel das in Klimaanlagen beigemischte Schmiermittel Hauptauslöser für einen Brand sein kann. „Es gibt durchaus andere gängige Schmiermittel, mit denen sich das Sicherheitsrisiko reduzieren lässt“, so der Manager. DuPont selbst bietet solche Schmiermittel nicht an. Der US-Chemieriese ist dabei, deren Einsatz und zusätzliche Optionen den Herstellern vorzustellen.
In den nächsten Wochen wollen VDA und Kraftfahrt-Bundesamt die Ergebnisse eigener Tests der Europäischen Kommission vorlegen. Auch die internationale Ingenieurvereinigung SAE hat einen Abschlussbericht in Vorbereitung.

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