„Volkswagen hat Speck angesetzt“

 Konzernlenker Winterkorn warnt Führungskräfte vor „dramatischen Folgen für unser Geschäft“ – Markenchef kündigt „Folgestrategie von ‚Mach 18‘, die weit ins nächste Jahrzehnt hineinreicht“ an – Belegschaft auf 600.000 Menschen gewachsen – „Ich sage: Wir werden keine Werke schließen“

Dresden – VW-Chef Martin Winterkorn hat die Führungskräfte der Kernmarke Volkswagen mit drastischen Worten auf neue Herausforderungen eingestimmt. „Unsere Welt ist unberechenbarer denn je: Politische Konflikte überziehen den Globus, gesellschaftliche Umbrüche rütteln an unserem Werteverständnis, wirtschaftliche Einbrüche sind die Folge“, warnte der Topmanager auf der „Management Konferenz 2014“ (MMK) in Dresden. Die Hauptaussagen der streng vertraulichen Rede liegen der Branchen- und Wirtschaftszeitung Automobilwoche vor. „Die Unsicherheit ist so groß wie nie“, so Winterkorn weiter, „verlässliche Planungen werden damit so gut wie unmöglich. Die Folgen für unser Geschäft sind dramatisch – ob in Russland, Indien oder Südamerika“.

Seit 2007, dem Jahr seines Amtsantritts an der VW-Spitze, sei „unser Konzern in jeder Hinsicht in neue Dimensionen vorgestoßen“, erklärte Winterkorn vor den rund 2.200 MMK-Teilnehmern. So beschäftige das Zwölf-Marken-Unternehmen inzwischen weltweit „600.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“; Ende 2006 waren es nicht ganz 325.000. Der Topmanager mit Blick auf zwei Erzrivalen: „Und 2007 waren uns Toyota und General Motors noch Lichtjahre voraus. Das hat sich radikal geändert. Wer hätte uns das damals zugetraut?“.

Winterkorn betonte: „Der Motor dieser Expansion ist die Marke Volkswagen“, das wichtigste Label der Wolfsburger sei „heute so stark wie nie“. Doch das rasante Wachstum habe auch eine Kehrseite: „Um es auf den Punkt zu bringen: Volkswagen hat Speck angesetzt“. Daher gehe es nun darum „schlanker, schneller, effizienter zu sein“. Der VW-Vorstandschef treibt im gesamten Konzern ein Effizienzprogramm voran. Allein die Kernmarke VW soll bis 2017 einen „nachhaltigen Ergebniseffekt von rund fünf Milliarden Euro jährlich“ erzielen. „Bei den anderen Marken sind ähnlich anspruchsvolle Programme auf dem Weg“, stellte Winterkorn klar. Thematische Klammer der Maßnahmen ist die Effizienz- und Zukunftsoffensive „Future Tracks“, mit der sich VW unter anderem auf Mega-Trends wie Digitalisierung, Elektromobilität und „Industrie 4.0“ einstellt.

„Dieses Fundament wird Grundlage sein für eine Folgestrategie von ‚mach 18‘, die weit ins nächste Jahrzehnt hineinreicht“, kündigte Winterkorn VW-intern an. „Klar ist aber auch, dass diese Herausforderungen immens viel Geld verschlingen werden“. Und: „Wir haben die Lage unserer Marke genau analysiert und klar definiert, was besser werden muss“. Er werde oft gefragt, räumte Winterkorn ein, „ob wir die Angriffe von Google, Apple oder Tesla auf unser Geschäft nicht sehen“. Des Topmanagers selbstbewusste Antwort: „Natürlich haben wir das erkannt und beschäftigen uns intensiv damit. Aber bange ist uns vor diesen neuen Wettbewerbern nicht. Im Gegenteil: Sie sind Ansporn, uns noch intensiver mit den Chancen der digitalen Welt auseinanderzusetzen“. Für die Beschäftigen hatte der VW-Vormann kurz vor Weihnachten eine besonders erfreuliche Nachricht parat: „Ich sage: Wir werden keine Werke schließen. Und wir werden auch nicht mit dem Rasenmäher in gleicher Schnitthöhe über alle Abteilungen fahren“. Der VW-Chefstratege: „Wir machen es auf Volkswagen-Art: sachorientiert und mit Augenmaß“.

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