Indonesien könnte Thailand als wichtigen Standort für die Autoindustrie ablösen

Jakarta/London – Innerhalb der nächsten fünf Jahre könnte Thailand seine führende Rolle als Standort der Automobilindustrie in Südostasien verlieren. Markus Scherer, Global Automotive Sector Leader bei Ipsos Business Consulting, erwartet deutliche Auswirkungen für Hersteller wie für Zulieferer.

„Indonesiens Zahlen zeigen bei der Autoproduktion, den Entwicklungen und Verbesserungen in die Infrastruktur deutlich nach oben. Kapazitäten werden ausgebaut, zugleich steigen Inlandsnachfrage und Exporte. Hersteller wie Behörden in Indonesien, Thailand und anderen Staaten müssen diese Auswirkungen berücksichtigen“, betonte Scherer. Ipsos erwartet innerhalb der nächsten fünf Jahre einen deutlichen Anstieg der Produktion in Indonesien und einen Rückgang des thailändischen Vorsprungs von derzeit 810.000 Einheiten auf etwa 465.000 in 2020.

Bislang war Thailand unangefochten der größte Standort für die Automobilproduktion in Südostasien mit einem jährlichen Output von rund zwei Millionen Fahrzeugen. Indonesien erreichte mit 1,1 Millionen Einheiten 2015 nur etwas mehr als die Hälfte. Thailand exportierte im vergangenen Jahr rund 55 Prozent seiner Produktion, Indonesien etwa 23 Prozent.

Bei dem Aufholprozess Indonesiens hat Ipsos Business Consulting zwei Trends analysiert. Schon jetzt sei das Land technisch in der Lage, zwei Millionen Fahrzeuge zu fertigen, die Auslastung der Betriebe liege derzeit bei 62 Prozent. Zum anderen wird mit Investitionen in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar die Produktion modernisiert.

Douglas Cassidy, Indonesia Country Head bei Ipsos Business Consulting, betonte: „Weltweit agierende Automobilhersteller ohne signifikante Kapazitäten in Indonesien werden sich schwer tun, den 600 Millionen Menschen umfassenden ASEAN-Markt zu bedienen. Zudem werden sie gefragt werden, wie sie ihre Marktanteile gegenüber denjenigen Unternehmen verteidigen können, die nach Indonesien und generell nach Asien drängen. Standorte in Indonesien tragen dazu bei, von geringen Lohnstückkosten sowie Vorteilen bei den Lieferketten zu profitieren.“

Chukiat Wongtaveerat, Senior Ipsos-Manager für Thailand bei Ipsos, beurteilt die Situation ähnlich. „Wenn es in Indonesien gelingt, eine stabile und kontinuierliche Entwicklung hin zum weiteren Ausbau der Zuliefererindustrie schaffen, kann es zum „Domino-Effekt“ kommen. Bisher abwesende Unternehmen müssen dann schnell in Werke sowie die Expansion ihrer Händlernetze investieren“. Besonders Volkswagen, Hyundai und Mazda hätten bisher noch keine klare Strategie in Südostasien erkennen lassen, fügte der Manager hinzu.

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