Analysten: Werksschließungen bei Ford allein nicht ausreichend

 Köln – Die vor dem Hintergrund der europäischen Absatzkrise angekündigten Werksschließungen bei Ford sind nach Ansicht von Analysten nur der Anfang einer notwendigen Marktbereinigung. Das ergab eine Umfrage der Branchen- und Wirtschaftszeitung Automobilwoche. „In einem Markt, in dem 60 Prozent des Volumens dauerhaft mit Verlust verkauft werden, braucht es sicher mehr als ein paar Werksschließungen. Neben rund 25 Prozent Überkapazitäten haben wir auch einfach zu viele Marken und Hersteller“, sagte Arndt Ellinghorst, Automobilanalyst bei Credit Suisse, der Automobilwoche.

Ähnlich urteilte auch Autoexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler: „Die Überkapazitäten liegen bei mindestens 30 Prozent. Ford geht das Problem früher und konsequenter an als andere Autobauer. Die Annahmen zur eigenen Entwicklung in Europa halte ich aber für zu optimistisch.“

Christoph Stürmer, Leiter der Automobil-Beratung bei IHS Automotive, betonte: „Die tatsächlich problematische Überkapazität in Westeuropa liegt 2012 bei etwa 1,2 Millionen, 2013 bei etwa 1,4 Millionen Einheiten. Das sind rund sieben bis acht Prozent der nominellen Kapazität. Eine Anpassung in diesem Umfang ist zwar nicht einfach, sollte aber über die nächsten drei bis fünf Jahre machbar sein.“ Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut Duisburg-Essen unterstrich in der Automobilwoche mit Blick auf andere kriselnde Autohersteller: „Ford ist der Erste, der das Problem anpackt, während die anderen nur darüber reden. Deshalb wird Ford auch der erste Volumenhersteller in Europa sein, der ab 2015 aus der Krise herauskommt.“

Ford will innerhalb von zwei Jahren seine Kapazitäten in Europa um 18 Prozent oder 355.000 Fahrzeuge verringern – und zwar dauerhaft. Ende 2014 soll das Montagewerk im belgischen Genk geschlossen werden. Bereits 2013 sollen die Fertigung des Transit im britischen Southampton sowie das Presswerk in Dagenham stillgelegt werden. Insgesamt will Ford dadurch jährlich 450 bis 500 Millionen Dollar einsparen. Für dieses und das nächste Jahr rechnet Ford im Europa-Geschäft inzwischen jeweils mit einem Verlust von 1,5 Milliarden Dollar.

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