Exklusiv in ‚Cicero’: Görings Vernehmung

Er war „bauernschlau“. Allerdings wurde seine Intelligenz von einer zweifellos pathologischen Eitelkeit überschattet: „Er beklagte sich, dass er, obgleich höheren Ranges, mit drei ebenfalls gefangenen Generälen ein Quartier teilen musste.

Im Übrigen wälzte er alle Schuld auf Hitler ab: „Sie hatten einen großen Verbündeten in Ihrem Luftkrieg: den Führer.“ Warburg schildert die Versuche Görings noch in den letzten Tagen des Krieges Hitlers Stelle einzunehmen, was allerdings zu seiner Festnahme durch die SS führte, bis er von einer Truppe von Luftwaffen-Soldaten in Tirol „befreit“ wurde. Göring behauptete, er habe Schweden zweimal vor der deutschen Invasion bewahrt. Mit dem Völkermord an Europas Juden konfrontiert, zog er aus der linken Tasche seiner Marschallsuniform die Formulare seiner monatlichen Überweisungen an den jüdischen Schneider seiner Frau in Theresienstadt. „Wissen Sie, Theresienstadt war gar nicht so ein übles Lager.“
Als er nach Ende der Vernehmungen in seine Zelle geführt wurde, die von nun an nur noch aus einem Feldbett und zwei Decken bestand, sagte er: „Jetzt erkenne ich, dass ich einen meiner größten Fehler beging, als ich nicht den gleichen Weg einschlug wie der Führer.“ Am 15.10.1945 – wenige Stunden vor seiner geplanten Hinrichtung – beging Göring, der vom internationalen Gerichtshof in Nürnberg zum Tod durch Erhängen verurteilt worden war, Selbstmord durch die Einnahme von Zyankali.

Ähnliche Themen

Schreibe einen Kommentar