Daimler-China verprellt Händler

 Stuttgart – Der Automobilhersteller Daimler riskiert in China einen Bruch mit seinen Händlern und damit ein weiteres Zurückfallen auf dem weltgrößten Pkw-Markt. Konzernvorstand Hubertus Troska und China-Chef Nicholas Speeks werfen den Händlern in einem Brief Faulheit vor und drohen mit Konsequenzen, berichtet die Branchen- und Wirtschaftszeitung Automobilwoche unter Berufung auf den ihr vorliegenden Brief: „Ich bin angesichts Ihrer Leistung als Händler sehr besorgt. Ein solch niedriges Verkaufsvolumen lässt sich bereits durch Telefonverkäufer in einem Call Center erreichen“, heißt es in dem Schreiben, das von Speeks unterschrieben wurde.

China-Experten halten diese Wortwahl für grundfalsch: „Eine solche Ausdrucksweise ist meines Erachtens schon in Deutschland ein No-Go in der Geschäftskorrespondenz. In China, wo die Gesichtswahrung einen noch viel höheren Stellenwert genießt, wirkt sie geradezu katastrophal und kann die Geschäftsbeziehungen irreparabel beschädigen. Ganz sicher fördert man so nicht die Motivation chinesischer Mitarbeiter oder Vertriebspartner“, sagte Rainer Gehnen, Geschäftsführer der Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsvereinigung, der Zeitung.

Daimlers China-Chef steht unter Druck: Der China-Absatz von Mercedes brach im Februar um 47,2 Prozent ein. Während Audi und BMW im ersten Quartal stark zulegten, büßte Daimler 11,5 Prozent ein.

Die Probleme von Mercedes sind hausgemacht: Die Schwaben ließen in China eine Vertriebsorganisation für die lokal gefertigte E-, C- und GLK-Klasse mit einer Importgesellschaft konkurrieren. Die Folge waren hohe Rabatte, die auch bei den erfolgreichen bayerischen Premiumkonkurrenten für Unmut sorgten: „Daimler beschädigt das Image der deutschen Premiummarken in China“, zitiert die Automobilwoche eine Person aus dem Audi-Umfeld. „Bisher wurden Rabatte für Premiumautos kaum verlangt. Wegen Mercedes fragen jetzt immer mehr Kunden auch bei Audi und BMW nach einem Discount.“

Nun will Troska die Rabattflut mit einer einheitlichen Großhandelsorganisation wieder zurückdrängen. Dennoch rechnet er nicht mit einer schnellen Besserung. Erst 2014 soll der Mercedes-Absatz wenigstens wieder so schnell zulegen wie der Markt, bis 2015 will Troska das Verkaufsvolumen auf 300.000 Fahrzeuge ausbauen. Dabei macht Daimler unmissverständlich klar: Wer den Ansprüchen von Mercedes nicht genügt, muss mit Konsequenzen rechnen – „egal wie gut unsere Geschäftsbeziehung in der Vergangenheit war“.

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